3.9.25
Digitalisierung
Development

Digitale Transformation: Die wahre Herausforderung ist nicht die Software sondern das Geschäftsmodell

Ein Erfahrungsbericht aus der Praxis eines Senior Business Development Managers

Warum wir die eigentliche Herausforderung oft falsch interpretieren

Seit über zehn Jahren begleite ich Unternehmen bei ihrer digitalen Transformation. Ob Konzern, Mittelständler oder ambitioniertes Scale-up auf Wachstumskurs – in den ersten Gesprächen höre ich fast immer die gleichen Sätze:

  • „Wir brauchen eine neue Software.“
  • „Alles steht und fällt mit der Qualität unseres Produkts.“
  • „Unsere Systeme sind zu alt, wir müssen modernisieren.“
  • „Hauptsache es ist KI drin.“

Alle diese Aussagen sind legitim. Aber sie greifen zu kurz. Denn das wahre Problem ist nicht, ob Software individuell entwickelt oder eingekauft wird. Die eigentliche Herausforderung liegt tiefer: im belastbaren Geschäftsmodell.

Ein Unternehmen, das sein Geschäftsmodell nicht regelmäßig hinterfragt und weiterentwickelt, baut Software für die Vergangenheit – nicht für die Zukunft.

Und genau hier setzt meine Arbeit als Business Development Manager bei generic.de an. Wir sehen Software nicht als Produkt, sondern als strategisches Werkzeug zur Geschäftsmodelltransformation.

Deshalb steht für uns die Identifikation eines wertschöpfenden Geschäftsmodells im Vordergrund, um nachfolgend ein Software-Produkt zu entwickeln, dass die Zukunftsfähigkeit unserer Kunden unterstützt.

Geschäftsmodelltransformation: Der blinde Fleck vieler Unternehmen

Die meisten Organisationen gehen Digitalisierung an, wie eine Renovierung: Wände streichen, Möbel austauschen, optisches Aufhübschen, aber das Fundament bleibt das Alte.

In der Praxis bedeutet das: Prozesse werden digitalisiert, Daten werden gesammelt, eine App oder ein neues ERP-System wird eingeführt – und das alles häufig ohne die passenden Grundstrukturen. Die Art, wie Wert geschaffen und monetarisiert wird, bleibt dabei meistens unbeachtet.

Das funktioniert solange, wie der Markt sich nicht verändert. Aber Wandel ist am aktuellen Markt die einzige Konstante.

Der Markt ist heute nicht mehr der, der er gestern war und so kommen wir immer wieder zum gleichen Ergebnis: Unternehmen wirken moderner und arbeiten digitaler, aber sie halten immer noch an ihrer alten Kernwertschöpfung fest – und die ist höchst anfällig, wenn ein neuer Wettbewerber das eigene Geschäftsmodell obsolet werden lässt. Wir wissen alle, was mit Blackberry und Nokia passiert ist.

Warum Software allein nicht reicht

Software ist heute Commodity. Jeder kann Software entwickeln lassen – in Indien, Osteuropa oder von einem Freelancer.

Die wahre Herausforderung ist nicht die Software sondern das richtige Geschäftsmodell

Aber: Was unterscheidet erfolgreiche Unternehmen von allen anderen?

Es ist nicht die Programmiersprache, nicht das Framework und es sind nicht die Kosten.
Es ist die Fähigkeit, Software so zu entwickeln, dass sie ein Geschäftsmodell trägt, verstärkt oder transformiert.

Das bedeutet:

  • Clean Code Development sorgt für Zukunftsfähigkeit und Erweiterbarkeit.
  • Dual Track Agile schafft Raum, früh Hypothesen zu validieren, ohne sich zu verrennen.
  • Die Verbindung von Business-Verständnis und Technologiekompetenz erzeugt echten Mehrwert.

Die Rolle von Qualitätsstandards: Clean Code & DualTrack Agile

Clean Code Development

Jede Software lebt länger, als sie soll. Wer heute „schnell“ oder mit Power Apps zu kurzsichtig entwickelt, zahlt morgen doppelt. Clean Code Development ist nicht Selbstzweck, sondern die Grundlage für skalierbare und flexible Geschäftsmodelle.

Ein Geschäftsmodell ist kein starres Konstrukt – es entwickelt sich. Software muss das mitgehen. Nur sauberer, testbarer, erweiterbarer Code kann diese Flexibilität garantieren.

Dual Track Agile

Traditionelle Projekte starten mit einem riesigen Pflichtenheft. Und häufig stellen Unternehmen nach zwei Jahren Entwicklung fest: Der Markt ist schon wieder ganz woanders.

Dual Track Agile trennt deshalb die Arbeit in zwei Bahnen:

  • Discovery: Ideen testen, Hypothesen prüfen, Nutzer befragen.
  • Delivery: Validierte Features sauber umsetzen.

So entsteht Software, die von Anfang an auf Geschäftsmodell-Ebene denkt.

Von der Softwareentwicklung zur Geschäftsmodellberatung ein positives Beispiel aus der Praxis

Ein Maschinenbauer kam mit der Bitte zu uns, seine veraltete Software zu modernisieren. In unseren Gesprächen stellte sich jedoch heraus: Was der Kunde tatsächlich benötigte, war Unterstützung bei der strategischen Neuausrichtung.

Statt modernisierter Software, entstand ein neues Geschäftsmodell:

  • Aufgabe des alten Geschäftsmodells, was auf der Entwicklung des HMI basierte
  • Das neue Geschäftsmodell bietet den Kunden ein maximal flexibel konfigurierbares Dashboards und HMI-Interfaces – und das in Form von Beratungs- und Konfigurationsdienstleistungen.

Das Unternehmen verdiente plötzlich nicht mehr nur an Hardware und Lizenzen, sondern an wiederkehrenden Services – individuell zugeschnitten auf den jeweiligen Kundenbedarf.

Genau das ist Geschäftsmodelltransformation.

Der genannte Case des Maschinenbauers ist kein Einzelfall.
Ich sehe regelmäßig, dass Unternehmen durch klug entwickelte Individualsoftware neue Geschäftsmodelle entdecken – oft ohne, dass sie es ursprünglich geplant hatten.

Einige Beispiele:

  • Produkt wird Service:
    Ein Hersteller verkauft nicht mehr nur Hardware, sondern bietet Monitoring, Predictive Maintenance und Dashboards als Abo-Modell.
  • Projekt wird Plattform:
    Ein kundenspezifisches Tool entwickelt sich zu einer skalierbaren Lösung, die auch anderen Kunden angeboten werden kann.
  • Entwicklung der Beratung:
    Statt ausschließlich zu programmieren, verkauft das Unternehmen das Know-how, Systeme für Kunden zu konfigurieren und so deren Business zu verbessern.

In allen Fällen war die Software nicht das Ziel, sondern der Katalysator.

Geschäftsmodell-Innovation mit generic.de

Als Solution Provider begleiten wir unsere Kunden nicht nur bei der Entwicklung, sondern schon viel früher. Unsere Methodik folgt den vier Phasen:

Gerade in den ersten beiden Phasen liegt der entscheidende Mehrwert:

  • Wir unterstützen Unternehmen, relevante Probleme und Chancen zu identifizieren.
  • Wir erforschen gemeinsam, wie Software diese Potenziale heben kann.
  • Erst dann gehen wir in die Entwicklung – mit Qualität, die Geschäftsmodelle trägt.

So vermeiden wir, dass Software zum Selbstzweck wird. Sie wird zum strategischen Werkzeug für Transformation.

Psychologische Dimension: Warum viele Unternehmen zögern

Die Frage, warum so viele Unternehmen ihr Geschäftsmodell nicht anpacken, ist auch psychologisch spannend.

  • Kontrollverlust: Ein neues Geschäftsmodell heißt Unsicherheit. Menschen halten lieber am Bekannten fest.
  • Risikowahrnehmung: Veränderung wirkt wie ein Sprung ins kalte Wasser, während „noch ein Software-Update“ vertraut und ungefährlich klingt.
  • Komfortzone: Prozesse digitalisieren ist einfacher, als das eigene Wertversprechen neu zu denken.

Doch genau hier entscheidet sich die Zukunftsfähigkeit. Wer nur Prozesse verschönert, verliert. Wer den Mut hat, das Geschäftsmodell zu hinterfragen und zu verbessern, gewinnt auf kurze und auf lange Sicht.

Handlungsempfehlungen für Entscheider

Wenn Sie als CEO, CTO oder Business Unit Leiter gerade überneue Software nachdenken, stellen Sie sich drei Fragen:

  1. Welches Problem löst die Software wirklich – ein Prozessproblem oder ein Geschäftsmodellproblem?
  2. Eröffnet die Software die Möglichkeit, ein neues Wertversprechen an den Kunden zu formulieren?
  3. Ist die Architektur so entwickelt, dass zukünftige Geschäftsmodelländerungen unterstützt werden?

Wenn Sie alle drei Fragen nicht klar mit „Ja“ beantworten können, brauchen Sie mehr als nur ein Entwicklerteam oder Microsoft Power Apps. Sie brauchen einen Partner, der Business versteht und Technologieintegriert.

Fazit: Transformation braucht mehr als Technologie

Die größte Aufgabe unserer Zeit ist nicht Individualsoftware zu entwickeln – das können viele.

Die Herausforderung ist, das richtige Geschäftsmodell zu finden oder das alte weiterzuentwickeln und es mit der richtigen Software zum Erfolg zu bringen.

Generic.de versteht sich dabei nicht nur als Entwickler, sondern als Solution Provider.
Wir unterstützen Unternehmen dabei, von der Idee zur tragfähigen Lösung zu kommen – und zwar mit Software, die diesen Weg nicht blockiert, sondern befeuert.

Ausblick: Die nächste Stufe

In den kommenden Jahren werden wir erleben, dass sich die Rolle von Software weiter verschiebt:

  • Von der reinen IT-Infrastruktur hin zum Motor der Geschäftsmodellinnovation.
  • Von der Kostenstelle zum Wertschöpfer.
  • Von „Projekt“ zum Produkt oder zur Plattform.

Unternehmen, die das bereits jetzt erkennen und entsprechend handeln, sichern sich den entscheidenden Vorsprung.

Schlusswort

Im Laufe meiner Karriere habe ich viel zu oft miterlebt, dass Unternehmen sich im Kleinen verlieren: Update hier, Tool dort, App da.

Um echten Mehrwert zu schaffen, sollte die Frage sein:
Wie nutzen wir Software, um unser Geschäftsmodell neu zu denken und die Zukunft zu sichern?

Wer darauf eine Antwort findet, hebt sein Unternehmen auf das nächste Level.
Wer es ignoriert, bleibt stehen – auch wenn die Software auf dem neuesten Stand ist.

Meine Empfehlung an Sie:

  • Denken Sie groß – und lassen Sie Ihre Software die Brücke in die Zukunft sein.
  • Hinterfragen Sie Ihr Geschäftsmodell, bevor Sie Software entwickeln.
  • Arbeiten Sie mit Partnern, die Business UND Technologie verstehen.
  • Und sprechen Sie mit uns – für Ihre Zukunft.

 

Autor
Stefan Weichand
Senior Business Development Manager

Weitere Artikel